Entspanntere Einstellung zur eigenen Zeit

Weniger Stress durch eine entspanntere Einstellung zur eigenen Zeit

Dem Freizeitstress auf den Grund gehen

Der Hauptgrund für mich, mit dem Minimalismus anzufangen, war mein immer wiederkehrender Freizeitstress. In den letzten Wochen habe ich mich intensiv damit beschäftigt, diesem Problem auf den Grund zu gehen.

Einen sehr hohen Stellenwert hat für mich in den vergangenen Jahren das Thema „Selbstoptimierung“ eingenommen. Mit der Zeit hat sich das so weit entwickelt, dass ich nichts mehr tun konnte, ohne es in ein System zu gießen. Bei jedem neuen Interesse bemühte ich mich, eine Routine aufzubauen und mich möglichst täglich damit zu beschäftigen.

Die logische Folge davon war, dass mit jedem zusätzlichen Hobby der Stress stieg, weil meine ganzen täglichen Routinen nicht mehr in meine Freizeit passten. Mein bisheriger Lösungsansatz war das Reduzieren der Anzahl der Interessen, die ich verfolge. Ich habe vor Kurzem darüber geschrieben, dass ich aus diesem Grund meine Zeit nicht mit dem Spielen von Videospielen verbringen möchte.

Der Haken: Ich bin ein Scanner

Das Reduzieren meiner Interessen wird allerdings nicht funktionieren. Wenn ich genauer darüber nachdenke, möchte ich das auch gar nicht. Ich bin jemand, der sich sehr leicht inspirieren lässt und gern vieles ausprobiert. Irgendwann schwinden diese Interessen dann wieder und werden von etwas anderem geweckt. So finde ich immer neue Dinge, die ich gern tun möchte.

Barbara Sher hat für Leute wie mich in ihrem Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ den Begriff „Scanner-Persönlichkeit“ geprägt. Wir Scanner können uns nicht auf einige wenige Interessen festlegen und diese unser Leben lang verfolgen. Und das ist nichts Schlechtes. Aus der Kombination vieler verschiedener Interessen kann genau so etwas Wunderbares entstehen wie aus nur wenigen Interessen, die man sehr intensiv verfolgt. Barbara Sher ermutigt uns dazu, uns nicht zu beschränken, sondern unseren Interessen zu folgen und vieles auszuprobieren. Wenn ich mich in meinen Interessen beschränken würde, würde mir etwas Wichtiges fehlen.

Meine Interessen wechseln zyklisch, das heißt sie kehren in der Regel immer wieder. Wenn mein Interesse an einem Thema groß ist, blende ich gern alles weitere aus und beschäftige mich in der Zeit ausschließlich damit, so lange bis ich wieder etwas anderes verfolge. Ich liebe dieses tiefe Eintauchen in ein Thema sehr. Aus diesem Grund machen für mich diese systematischen Routinen, die ich mit vielen Themen aufbauen möchte, keinen Sinn.

Eine neue Einstellung zur Freizeitgestaltung

Mir ist klar geworden, dass ich einen anderen Ansatz brauchte, um meinen Freizeitstress zu bekämpfen. In meinem Kopf entstand ein Bild, in dem ich damit aufhören würde, meine Freizeit systematisch durchzuorganisieren und mich der Erwartung entledige, irgendetwas erreichen zu müssen.

Das war leichter gesagt als getan. Ich kann mich an einen Abend erinnern, an dem ich lange am iPad gesurft und mich über ein Thema informiert habe. Als ich beim Zähne putzen vorm Spiegel stand, spürte ich ein Gefühl der Reue, weil ich meine kostbare Zeit augenscheinlich vergeudet hatte.

In dieser Zeit bin ich auf mehrere inspirierende Artikel gestoßen, mit denen ich mich gut identifizieren konnte. In zwei Artikeln beschreibt Rose Lounsbury, wie sie ihre Zeit immer perfekt durchorganisiert und exakte Todo-Listen gepflegt hat. Durch den Minimalismus hat bei ihr ebenfalls ein Umdenken stattgefunden und sie konnte das alles loslassen. In einem anderen Artikel von Monica Albrecht geht es allgemein um das Loslassen und das Etablieren einer akzeptierenden Haltung.

Zusammen mit meinen Vorüberlegungen haben diese Artikel bei mir zu einem Umdenken und einer komplett neuen Einstellung bezüglich meiner Zeit geführt. Ich erstelle mir jetzt keine Systeme mehr, in denen ich meine Interessen täglich abarbeiten muss. Ich mache jetzt einfach immer, worauf ich gerade Lust habe. Das kann tagelang ausschließlich nur ein Thema sein. Ich weiß aber, dass das Interesse daran irgendwann wieder schwindet und dann verfolge ich etwas anderes.

Erste Erfahrungen mit der neuen Einstellung

Im Moment hat mich das Thema Fotografie wieder gepackt. Seit Tagen beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit nichts anderem. Ich schaue mir Videokurse an, lese Artikel und informiere mich über Ausrüstung. Und außerdem habe ich in letzter Zeit meine Kamera wieder täglich benutzt und versucht, das Gelernte umzusetzen. Mit meiner alten Einstellung hätte ich mir jetzt ein System mit dem Ziel aufgesetzt, meine Kamera jeden Tag in die Hand zu nehmen und nebenbei noch alles andere unterzubringen. Jetzt werde ich das einfach nur machen, wenn ich Lust darauf habe.

Mit dem Loslassen meiner Routinen ist der Druck verschwunden, jeden Tag viele Tätigkeiten in meiner Freizeit unterbringen zu müssen. Außerdem ist das Gefühl der Reue am Ende des Tages verschwunden, wenn ich diese Ziele nicht erreicht habe. Kurzum, ich fühle mich viel entspannter.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mir jetzt nichts mehr verbieten muss. Wenn ich sporadisch mal Lust darauf habe, ein Videospiel zu spielen, dann tue ich das einfach ohne schlechtes Gewissen. Ich weiß, dass das Interesse daran früher oder später von selbst wieder verschwinden wird.

Neue Definition von Minimalismus in der Freizeit

Minimalismus in der Freizeit bedeutet für mich nicht mehr zwangsläufig, dass ich die Anzahl meiner Interessen reduziere, sondern dass ich meine Commitments, Routinen und Ziele reduziere und loslasse.

Wie beim Reduzieren von physischen Gegenständen wird auch hier die Herausforderung sein, dass ich keinen Rückfall in alte Verhaltensmuster erleide und sich nach einiger Zeit wieder Routinen und Ziele in meine Freizeit einschleichen. Die Gestaltung der eigenen Zeit ist wahrscheinlich der Aspekt am Minimalismus, der mir am meisten am Herzen liegt und ich werde in Zukunft weiter über meine Erfahrungen damit berichten.

Many Hobbies“ by Abhijit Bhaduri is licensed under CC BY 2.0.

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3 Kommentare

  1. Hi mein Lieber, vielen lieben Dank für die Verlinkung. Freut mich total, dass dich mein Artikel inspirieren konnte. Find ich super, wie du das jetzt machst! Weiter so!!!

    Liebe Grüße
    Moni / minime.life

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